Rathausinnenhof

Rede von Bürgermeister Ulrich Schulte zum Neujahrsempfang 2019

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sehr geehrte Gäste!

Ich freue mich, Sie auf unserem Neujahrsempfang hier in Plettenberg begrüßen zu dürfen und möchte Ihnen zuallererst ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019 wünschen, soweit ich das nicht schon im Eingangsbereich persönlich gemacht habe.

Schön, dass auch in diesem Jahr wieder viele Vertreterinnen und Vertreter unserer Vereine, aus den sozialen Verbänden, aus der Politik und den Religionsgemeinschaften unserer Einladung gefolgt sind und wir gleich zu Beginn des neuen Jahres zusammenkommen, um - wie es bei einem Jahreswechsel Tradition hat - gemeinsam noch einmal zurück - sowie vor allem vorauszublicken. Sie alle füllen eine ehrenamtliche Funktion zum Wohle unserer Stadt und unserer Gesellschaft aus und dafür möchte ich Ihnen im Namen der Stadt Plettenberg mit der Einladung zum heutigen Neujahrsempfang recht herzlich danken.

Beim Jugendsinfonieorchester handelt es sich um junge Musiker, die natürlich ein großes Interesse daran haben, ihr Können vor Ort unter Beweis zu stellen. Es wäre daher nicht statthaft gewesen, jede dritte Geige oder Flöte zuhause zu lassen, nur um Platz auf der Bühne zu sparen. Hinzu kommt, dass man bei eine Sinfonieorchester die Musik nicht nur hört, sondern auch spürt und erlebt und das geht eben nur in der kompletten Besetzung.

Obwohl ich mich über das Erscheinen eines jeden Einzelnen von Ihnen freue, erlauben Sie mir bitte, dass ich an dieser Stelle einige wenige Gäste namentlich begrüße:

Zunächst begrüße ich unsere beiden Landtagsabgeordenten Inge Blask und Marco Voge. Ich denke, es ist ein großer Vorteil für unsere Stadt und unsere Region, dass wir im Düsseldorfer Landtag gleich zweimal vertreten sind. Ich habe das gemerkt, als ich wegen der Situation bei der Firma DURA im letzten Jahr um Hilfe gerufen habe und beide auf verschiedenen Wegen versucht haben, etwas zu erreichen.

Ein weiterer Gruß gilt unserem stellvertretenden Landrat Detlef Seidel mit seiner Frau, über deren Anwesenheit ich mich ebenfalls sehr freue. Herr Seidel ist übrigens nicht nur stellvertretender Landrat, sondern auch Vorsitzender des Fördervereins des MJO und würde sich vermutlich freuen, wenn Ihnen das heutige Konzert zusagt und einige von Ihnen dem Förderverein beitreten.

In diesem Zusammenhang möchte ich natürlich auch die Mitglieder des Märkischen Jugendsinfonieorchesters unter der Leitung von Thomas Grote begrüßen. Und bevor ich es nachher vergesse, möchte ich mich bereits im Vorfeld bei allen recht herzlich für die musikalische Untermalung des heutigen Tages bedanken.

Meinen Dank richte ich auch an Sonja Büsing und Frank-Ulrich Sohn, die den heutigen Nachmittag geplant und umgesetzt haben.

Gleiches gilt für das Team der Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die heute hier für die Verpflegung und den reibungslosen Ablauf sorgen. Ebenso möchte ich mich bei Frau Minner, der Leiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums bedanken, dass wir heute hier die Aula belegen können.

 

Meine Damen und Herren,

wie ich bereits gerade erwähnte, dient ein solcher Neujahrempfang dem Rückblick auf das vergangene Jahr und einem Ausblick auf das kommende Jahr. Bei diesen Rückblicken wird an anderer Stelle manchmal versucht ein ganzes Jahr in nur einem einzigen Wort wiederzugeben, indem man das Wort des Jahres kürt. Für 2018 wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort "Heißzeit" erwählt. Damit stellt man den Jahrhundertsommer, den Deutschland in 2018 erlebt hat, in den Mittelpunkt.

Das ist auch richtig, dieser Sommer war wirklich besonders trocken und heiß. Wir dürfen aber darüber nicht vergessen, dass das Jahr 2018 mit einem Sturmtief begonnen hat und dass wir im Juni einen Starkregen erleben mussten, bei dem zahlreiche Keller in Plettenberg geflutet wurden, Straßen unter Wasser standen und Dächer eingebrochen sind. Hier haben wir großes Glück gehabt, dass die materiellen Schäden nicht größer gewesen sind und Personen nicht zu Schaden kamen. Andernorts ist es deutlich schlimmer gewesen.

Auf den Starkegen im Juni folgte dann aber eine überaus lange Trockenperiode. Es ist ein Ammenmärchen, dass es im Sauerland immer regnet, auch wir haben hier viele schöne Sonnentage. Die Regel ist aber, dass auf einige Tage Sonnenschein ein Gewitter oder ein paar Regentage folgen. Das blieb in diesem Jahr erstaunlicherweise aus.

Das mag zwar für viele recht angenehm gewesen sein, denn es ist natürlich schön, wenn man regelmäßig draußen spielen, Sport treiben oder grillen kann. Der Blick auf die Talsperren in unserer Region hat aber gezeigt, dass dieses Wetterphänomen unnatürlich ist und auch negative Auswirkungen auf unser Leben haben kann. Genauso wie Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, so kommt unser Trinkwasser nicht einfach aus dem Hahn - es muss irgendwo aus Grundwasser, Talsperren und Quellen entnommen werden. Fehlt der Regen, dann schwinden auch diese Entnahmemöglichkeiten für Trinkwasser. In Plettenberg hat dies kaum Auswirkungen gehabt, nur wenige private Brunnen blieben trocken. Die Wasserversorgung durch die Stadtwerke war aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Es muss uns aber klar sein, dass nur durch einen ständigen Wasserzulauf aus Bigge- und Möhnetalsperre verhindert wurde, dass die Ruhr versiegt ist. Eine trockene Ruhr wiederum hätte zu Schwierigkeiten in der Trinkwasserversorgung des Ruhrgebietes geführt. Dieses Problem sollte eigentlich mit dem Bau der zahlreichen Talsperren überwunden sein.

Trockenes Wetter führt automatisch auch zu Waldbrandgefahr. Auch hier hatten wir großes Glück. Zum einen, weil es hier bei uns nicht so wie in den Nachbarstädten zu häufigen Einsätzen kam. Zum anderen, weil der Waldbrand am Saley dank des engagierten und umsichtigen Einsatzes der Plettenberger Feuerwehr schnell eingedämmt werden konnte.

Wenn Sie Vergleiche ziehen mit anderen Ländern, wo Waldbrände außer Kontrolle geraten sind und große Schäden verursacht haben, sind wir wahrlich mit einem blauen Auge davongekommen. Nicht auszudenken, wenn dieser Waldbrand sich ausgeweitet hätte und das Wohngebiet Eschen oder die Häuser an der Seydlitzstraße erreicht hätte.

Daher hier an dieser Stelle nochmals meinen herzlichen Dank an die Männer und Frauen der Plettenberger Feuerwehr. Die Stadt Plettenberg investiert aus gutem Grund jährlich viel Geld in die Ausrüstung dieser Feuerwehr, was durch die Verabschiedung des neuen Brandschutzbedarfsplanes in 2018 bestätigt wurde. Aber es muss auch immer jemand da sein, der bereit ist, das Fahrzeug zu fahren, den Schlauch zu halten oder die Atemschutzmaske anzulegen.

Nun kann man möglicherweise sagen, was das Feuer nicht geschafft hat, erledigt anschließend der Borkenkäfer - und zwar nicht nur am Saley. Die fehlende Feuchtigkeit hat die Harzproduktion der Nadelbäume eingeschränkt und der Borkenkäfer hatte freie Bahn, um sich unter der Rinde breit zu machen. Im Ergebnis sind in diesem Jahr viele Bäume gefällt worden, die eigentlich noch nicht dran waren. Sollten sich derartige trockene Jahre wiederholen, wird die Fichte als bisher bestimmender Baum des Sauerlandes den Rückzug antreten müssen und sich unser bewaldetes Umfeld verändern.

"Heißzeit" als Wort des Jahres ist damit nicht nur positiv zu sehen. Es könnte genausogut auch als Unwort des Jahres stehen. Aber ich will jetzt mal das Thema wechseln, sonst heißt es nachher, der Bürgermeister hat nur übers Wetter geredet. Aber immerhin ist für 2018 das Thema "Wetter" besser als das Thema "Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft".Das habe ich mal bewusst ausgespart.

Bezogen auf Plettenberg ist das Unwort des Jahres vermutlich "Attendorn". Ausgelöst durch das Klageverfahren der Stadt Attendorn gegen die Baugenehmigung für den Modepark Röther gab es vielerlei negative Äußerungen zu unserer Nachbarstadt in Leserbriefen und sozialen Netzwerken. Vielfach wurde erklärt, nie wieder dort einzukaufen und ähnliches. Das Ganze wurde dadurch verstärkt, dass die Stadt Attendorn mit dem Ergebnis der Auswirkungsanalyse und der Reduzierung der Verkaufsfläche auf 6.000 m² nicht einverstanden war und der ausgehandelte Kompromiss anschließend nicht im ersten Anlauf durch die Stadtverordnetenversammlung kam.

Natürlich war auch ich irritiert und verärgert, dass die Klage erhoben wurde und vielmehr noch, als das Ergebnis der Auswirkungsananlyse angezweifelt wurde. Ich muss bei aller Verärgerung aber auch offen zugeben, dass in dieser Geschichte nicht die Attendorner, sondern eigentlich wir die bösen Jungs waren. 

Ich bekam in 2017 eine Anfrage von Rendita Colonia, der Verwaltung des ehemaligen Real-Gebäudes. Sie erklärten mir, dass sie die Chance hätten, das Gebäude an die mir bis dahin unbekannte Firma Röther aus Süddeutschland zu verkaufen. Diese Möglichkeit hätte aber nur Aussicht auf Erfolg, wenn am folgenden Montag (es war Mittwoch) eine Genehmigung für die Nutzung als Modepark vorläge. Ansonsten würde ein anderer Standort das Rennen machen.

Man muss in diesem Zusammenhang erwähnen, dass Rendita Colonia bis dahin schon mehrfach versucht hatte, das Gebäude an verschiedene Handelskonzerne zu verpachten. Dafür wurden Baupläne vorbereitet und Verhandlungen geführt. Leider war alles erfolglos und die Aussichten auf eine neue sinnvolle Nutzung des Gebäudes schwanden.

Vor diesem Hintergrund haben Rat, Verwaltung und meine Wenigkeit spontan reagiert. Wir haben Bedenken, dass solch ein Vorhaben eine Auswirkungsanalyse benötigen könnte, beiseite geschoben und im Rahmen einer interfraktionellen Sitzung am Freitagnachmittag grünes Licht für den Modepark Röther gegeben (Mittwoch). Genau die Verwaltung und die Ratsmitglieder, denen die Plettenberger Bevölkerung häufig vorwirft, dass zu viele Gutachten für jede Entscheidung herangezogen werden, haben diesmal auf Gutachten verzichtet und einfach gehandelt.

Damit sind alle Beteiligten ein hohes Risiko eingegangen. Im schlimmsten Fall hätte es passieren können, dass Röther sich zurückzieht, aber für die bis dahin getätigten Investitionen einen Schadenersatz von der Stadt Plettenberg gefordert hätte. Da wären Summen im Spiel gewesen, die die ohnehin gebeutelte Stadtkasse nur schwer hätte tragen können.

Wie Sie also unschwer erkennen können, haben wir risikoreich und nicht ganz gesetzeskonform gehandelt. Wie gerade schon erwähnt, waren also wir die bösen Jungs. Aber trotz dieses Umstandes gebe ich offen zu, wenn sich unserer Stadt wieder solch eine Möglichkeit bieten würde, würde ich es wieder so machen.

Abschließend möchte ich aber erwähnen, dass jetzt sicherlich eine Zeit gekommen ist, in der wir einen Schlussstrich ziehen und unsere Emotionen wieder runterfahren können und in der wir auch wieder in Attendorn einkaufen können - genauso wie wir Attendorner Bürger gerne als Kunden im Modepark Röther begrüßen.

Den zweiten ungewöhnlichen Weg sind Rat und Verwaltung mit der Ansiedlung des Action-Marktes gegangen. Jahrelang haben wir uns mit planungsrechtlichen Bedenken bei dieser Einzelhandelsfläche schwer getan, weil es sich bei jedem Ansiedlungsversuch in diesem Bereich um ein innenstadtrelevantes Angebot handelte, das nach Bauplanungsrecht nicht zulässig gewesen wäre.

Nun ist es einem Landemerter oder Oestertaler wahrscheinlich schwer zu vermitteln, dass der Grafweg nicht zur Innenstadt gehört, zumal hier mit dem Lidl und dem Rewe bereits zwei Märkte vor Ort sind. Also sind wir auch hier über unseren bisherigen Schatten gesprungen und haben die Ansiedlung des Action-Marktes ermöglicht. Die aktuelle Parkplatzsituation vor Ort bestätigt unsere Entscheidung, der Laden wird sehr gut angenommen und ergänzt das Kaufangebot der Plettenberger Innenstadt in sinnvoller Weise.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt der Volksmund und zwei neue Läden schaffen nicht automatisch eine belebte Innenstadt. Ich hoffe aber, dass Modepark Röther und Action-Markt eine Signalwirkung haben, damit andere Einzelhandelsfirmen auf Plettenberg aufmerksam werden und weitere Leerstände veschwinden werden. Darüber hinaus hoffe ich natürlich, dass Plettenberger wieder verstärkt in Plettenberg einkaufen und Bürger aus umliegenden Städten ebenfalls das eine oder andere Mal zum Einkaufen hierhin kommen und dass dies nicht nur in den beiden neuen Läden geschieht, sondern auch die anderen Einzelhändler davon profitieren.

Wer weiß, wenn ich die Zeitungsberichte der letzten Wochen verfolge, ergeben sich vielleicht auch noch ganz andere Möglichkeiten, Plettenberg als Einkaufsstadt zu bewerben. Da alle größeren Städte mehr oder minder genötigt werden, Kunden, die mit einem Dieselfahrzeug in die Stadt zum Einkaufen fahren wollen, auszusperren, könnten wir hier gut aufsetzen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich daher Werbetafeln an der A45: "Mit dem Diesel in die Stadt - kaufen Sie in Plettenberg"

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns nun unseren Blick nach vorne auf das Jahr 2019 richten. Der Haushalt der Stadt Plettenberg weist einen Verlust von 3,9 Mio. € aus. Das ist ein geringerer Verlust als in den Vorjahren und zeigt damit eine positive Tendenz und die Auswirkungen der bisherigen Sparbemühungen auf. Trotzdem ist es noch ein Verlust in Millionenhöhe und damit ein Zeichen dafür, dass wir auch zukünftig Einsparungen durchsetzen müssen. Trotz dieses Verlustes plant die Stadt Plettenberg in vielen Bereichen aufwendige Unterhaltungsmaßnahmen und Investitionen.

Neben der Neubeschaffung zahlreicher Feuerwehrfahrzeuge werden die Gerätehäuser untersucht und auf den neuesten Stand gebracht. Wenn Sie nicht gerade selbst bei der Feuerwehr sind oder es bei Ihnen im nächsten Jahr brennt, werden Sie selbst davon nicht viel merken, aber meine Ausführungen zum Waldbrand am Saley zeigen, das wir gute Gründe haben, so zu handeln.

Anders wird es z.B. mit der Sanierung des Grafweges sein. Dieser wird von der Stadt Plettenberg im Auftrag von Straßen.NRW ausgebaut, da es sich um eine Landesstraße handelt. Ähnlich wie der Ausbau der L697 nach Affeln ist dies nur mit einer Vollsperrung möglich, so dass es zu Veränderungen und Erschwernissen im Verkehrsfluß kommen wird.

Den größten Brocken innerhalb der Investitionen wird aber die Innenstadtsanierung darstellen. Auch hier wird es zwangsläufig zu Behinderungen kommen. Ich glaube, wir alle hätten es gerne gesehen, wenn schon in diesem Jahr die Baumaßnahmen begonnen hätten. Auch in mir steckt naturgemäß eine Ungeduld, dass nach Vorliegen der wichtigsten Entscheidungen doch eigentlich direkt losgebaut werden kann. Aber ich muss mich dann auch den Gegebenheiten anpassen und mich von unseren Ingenieuren belehren lassen, dass man nicht "mal eben" eine neue Straße oder eine neue Toilettenanlage in einer Schule bauen kann.

Genau so ist es auch mit der Sanierung der Innenstadt. Die Vorbereitung der Ausführungsplanung, die notwendig ist, um überhaupt zu wissen, wie viele Kubikmeter Schotter, wie viele Meter Elektroleitungen und wie viele Pflastersteine benötigt werden, braucht einfach ihre Zeit.

Eine vage Hoffnung hatte ich, dass neben der Fertigstellung der neuen Parkpalette und des neuen Parkplatzes an der Brachtstraße wir mit den ersten Pflasterarbeiten rund um die neue LWL-Klinik wenigstens ein Startzeichen geben könnten. Aber auch das war uns nicht vergönnt. Ich zitiere mal aus meiner Ansprache zum Neujahrsempfang 2018: "Eine weitere Baustelle, die 2018 erfolgreich abgeschlossen werden wird, ist die LWL-Tagesklinik an der Bahnhofstraße." Das hat leider nicht wie erhofft geklappt und damit auch nicht unsere geplante Pflasterung drumherum.

2019 geht es dann aber endlich richtig los. Die Sanierung der Innenstadt wird sicher nicht "mal eben" durchgeführt werden können, sondern uns mehrere Jahre begleiten, aber das Endergebnis wird sich sehen lassen können.

In der Zwischenzeit werden wir mit Baustellenlärm, Dreck, Absperrungen und Einschränkungen bei Veranstaltungen in der Innenstadt leben müssen. Dafür bitte ich Sie schon hier um Verständnis.

Meine Damen und Herren, wenn wir den schleppenden Beginn unserer Innenstadtsanierung mit anderen öffentlichen Bauvorhaben vergleichen, schneiden wir eigentlich gar nicht schlecht ab. Ich meine damit nicht den Berliner Flughafen, denn da warten wir ja nicht auf den Baubeginn - der ist ja schon fertig. Er ist nur eben nicht betriebsbereit, zumindest nicht als Flughafen, sondern nur als Parkplatz für Dieselfahrzeuge des Volkswagenkonzerns.

Ich meine hier eher den Breitbandausbau. Die Bundesregierung hatte verkündet, dass bis Ende 2018 jeder mit mindestens 50 Mbit/s im Internet surfen kann. Jetzt ist 2018 vorbei und es hat sich kaum etwas geändert. Das liegt zum größten Teil an dem aufwendigen Vergabeverfahren, dass wir deutschlandtypisch dem eigentlichen Ausbau vorgeschaltet haben.

Beim Ausbau für die Gewerbegebiete in Plettenberg wird es in 2019 laut offizieller Zeitplanung endlich losgehen. Der Ausbau für die Wohngebiete wird noch dauern, da frühestens im ersten Quartal 2019 überhaupt der Vertrag über den Ausbau abgeschlossen wird. Der erste Spatenstich ist da noch in weiter Ferne. Übrig bleiben dann die Gebiete, für die bisher noch keine Fördermittel beantragt wurden, z.B. weil ein Unternehmen hier einen eigenwirtschaftlichen Ausbau angekündigt hat. Kommt der dann nicht, gibt es für das Unternehmen keine Sanktionen, die sieht das aufwendige Verfahren nicht vor, aber die Kommunen müssen zusehen, wie sie für diese Bereiche nachträglich den Breitbandausbau organisieren.

Bei all diesen Zeitverzögerungen und dem Ärger über das Verfahren, können wir in Plettenberg von Glück reden, dass neben dem Breitbandausbau über die Förderverfahren die Telekom auch einen Ausbau auf eigene Kosten in einem großen Teil des Stadtgebietes durchführt. In allen anderen Städten des Märkischen Kreises herrscht großes Unverständnis bei den Bürgern, dass über die Förderverfahren die entlegenen Dörfer demnächst Glasfasersanschlüsse haben, aber die Kernstadt mit 50 Mbit/s auf Kupferkabel surft. Wir hingegen werden - auch wenn es lange dauern wird - am Ende ein fast flächendeckendes Glasfasernetz mit der entsprechenden Leistung haben. Das ist ein immenser Standortvorteil für die Industrie und für die Wohnungswirtschaft.

Nach neueren Studien wollen eigentlich nur noch 11% der Familien in der Großstadt leben. Es gibt aber zwei gewichtige Gründe, die diese Personen davon abhalten, jetzt schon alles stehen und liegen zu lassen und auf's Land zu ziehen: Mangelnder Breitbandausbau und mangelnde ärztliche Versorgung.

Früher ging man oft davon aus, dass das kulturelle Angebot ein Hinderungsgrund ist, das ist aber nicht mehr maßgeblich. Erstens ist das kulturelle Angebot in Kleinstädten nicht schlecht (siehe heute) und zweitens ist das gerade bei Familien nachrangig, denn die wenigsten wollen noch um die Häuser ziehen, wenn die Kinder endlich im Bett sind.

Da unser Leben aber immer mehr von der Digitalisierung beeinflusst wird, ist für jemanden, der von der Großstadt nach Plettenberg ziehen will oder den wir hierhalten wollen, eine vernünftige Internetanbindung immens wichtig.

Bei der ärztlichen Versorgung ergeben sich noch ganz andere Probleme. Probleme, die wir nicht verursacht haben, die wir aber ausbaden müssen. Wir werden die Zahl der Arztpraxen in Plettenberg auf lange Sicht wahrscheinlich nicht halten können. Zumindest dann nicht, wenn wir uns nicht neue Wege überlegen. Das liegt nicht daran, dass Plettenberg für Ärzte so unschön ist, sondern daran, dass bundesweit mehr Ärzte in Ruhestand gehen als neue Ärzte nachkommen. Wir haben also einen Konkurrenzkampf zwischen allen Städten um fertige Medizinabsolventen.

Dass es so wenige Absolventen sind, liegt schon daran, dass sie für einen Studienplatz ein Einser-Abitur nachweisen müssen. Ist ja auch logisch, dass der- oder diejenige, der kranken Menschen Neujahrsempfang helfen möchte, zunächst nachweisen muss, dass er in Deutsch- Mathe-Englisch sehr gut ist.

Wenn ein Arzt oder eine Ärztin dann ihre Ausbildung beendet haben, haben sie viele Jahre in einer Großstadt gelebt, denn Universitäten sind vielfach in Großstädten angesiedelt. Er oder sie steht vor der Entscheidung, in einer Klinik in der bekannten Großstadt zu arbeiten oder eine Praxis auf dem Land zu übernehmen. In der Klinik erwarten ihn:

  • geregeltes Einkommen
  • interessante medizinische Fälle
  • viele Ärzte, mit denen er sich über schwierige Fälle und deren Behandlung beraten kann.

Als Landarzt erwartet ihn:

  • viel Verwaltungsarbeit für die Krankenkassen
  • hautpsächlich Fälle von Husten, Schnupfen und Durchfall
  • wenn ein schwieriger Fall auftaucht, ist kein anderer Arzt in der Nähe, mit dem er sich bereden kann, er muss selbst entscheiden
  • trifft er die falsche Entscheidung, hängt möglicherweise seine Existenz davon ab
  • trifft er die richtige Entscheidung, aber nimmt eine teure Behandlungsmethode, kürzt ihm die Krankenkasse das Honorar.

Bei solchen Zukunftsaussichten ist doch ein Ärztemangel auf dem Land nicht verwunderlich. Es wird daher eine große Aufgabe in den nächsten Jahren sein, diese Entwicklung durch neue Lösungen aufzufangen. Erste Ideen dazu sind schon entwickelt. Neben neuen Formen der Arztpraxen wird dies auch die Telemedizin sein, was uns zwangsläufig wieder zum Breitbandausbau bringt. Wir profitieren folglich doppelt von dem fast flächendeckenden Ausbau.

Ein weiteres wichtiges und zentrales Thema in diesem Jahr 2019 wird die weitere Entwicklung der Firma DURA sein bzw. des Geländes, auf dem die Firma steht. Es gab aus den Reihen der Mitarbeiter bereits Kritik an meiner Person, dass ich mich schon jetzt aktiv in eine Weitervermarktung dieses Geländes eingebracht habe. Ich hätte quasi schon begonnen, den Stuhl, auf dem die Mitarbeiter sitzen, unter ihrem Hintern weg zu verkaufen.

Diese Kritik resultiert natürlich aus den Emotionen, die der Verlust des Arbeitsplatzes mit sich bringt und ist daher verständlich. Jeder und jede hat sich vermutlich Hoffnungen gemacht, dass der eigene Arbeitsplatz erhalten bleibt, und als klar wurde, dass es keine Hoffnung mehr gibt, geht der Bürgermeister gleich los und verplant das Gelände. Das sieht so aus, als sei nur die Gewerbefläche wichtig und nicht die Menschen.

Das ist mitnichten so, meine Damen und Herren. Wer mich kennt, weiß, dass mir die Menschen allgemein und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma DURA im speziellen am Herzen liegen. Hätte eine in Plettenberg ansässige Firma, die ihren Stammsitz in Eiringhausen hat, angekündigt, ihren Zweigbetrieb an der Königstraße zu schließen, hätte ich gewartet, bis sich die Emotionen gelegt haben, um dort mit neuen Pläen aufzuwarten. Einfach in dem Wissen, dass ich die Ansprechpartner auch nach der Werksschließung jederzeit hier vor Ort erreichen kann. DURA ist aber schon längst keine Plettenberger Firma mehr, es ist Bestandteil eines amerikanischen Konzerns. Bis zur Werksschließung zu warten, hätte bedeutet, den entscheidenden Moment zu verpassen, die amerikanische Geschäftsführung an einen Tisch zu bekommen. Es wird ohnehin schwierig werden, hier eine Einigung zu erzielen, aber etwas zu erreichen, wenn der letzte das Licht schon ausgemacht hat, wäre aussichtlos gewesen. Vor dem Hintergrund, dass wir in Plettenberg Gewerbeflächen benötigen und dass wir neue Arbeitsplätze für die DURA-Mitarbeiter schaffen müssen, war daher frühzeitiges Handeln zwingend erforderlich.

Wie Sie sehen, es gibt für 2019 noch viel zu tun und wahrscheinlich werden im Laufe des Jahres noch einige Dinge hinzu kommen. Für manches werden wir Gutachten in Auftrag geben, für anderes werden wir einfach spontan handeln. Egal, auf welche Weise wir vorgehen werden, wichtig ist meines Erachtens, dass wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Und dieses gemeinsame Ziel muss es sein, diese schöne Stadt mit ihren wunderbaren Menschen weiter zu bringen.

Ich wünsche Ihnen nun viel Vergnügen mit den musikalischen Beiträgen des Märkischen Jugendsinfonieorchesters unter der Leitung von Herrn Thomas Grote sowie der Moderation von Michael Forster.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Ihr

Ulrich Schulte
Bürgermeister

 

 

 

 

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