Rathausinnenhof

„Geschlossene Grenzen“ – Berliner Ausstellung im Plettenberger Ratssaal

Martina Wittkopp-Beine, Leiterin des Stadtarchivs, und Dr. Peter Schmidtsiefer, Geschichtslehrer am Albert-Schweitzer-Gymnasium, haben die historisch wertvolle Ausstellung „Geschlossene Grenzen – Die internationale Flüchtlingskonferenz von Évian 1938“ nach Plettenberg geholt.

Worum geht es? Der Spiegel brachte es in seiner Ausgabe vom 6. Juli 2018 unter der Überschrift „Als die Welt sich abwandte“ auf den Punkt. Er schrieb: „Verfolgte Juden aufnehmen? Nicht bei uns. Am Genfer See versagte vor 80 Jahren die westliche Welt: 32 Staaten hielten ihre Grenzen geschlossen, als Hunderttausende Menschen um ihr Leben bangten.“

Die Ausstellung wurde vom „Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin“ und der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“ konzipiert und dort im vergangenen Jahr gezeigt.

Die Idee, diese Ausstellung in Plettenberg zu zeigen, entstand im Zuge der Überlegungen, wie in diesem Jahr das Gedenken am 27. Januar, am Tag des „Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, gestaltet werden sollte.

Worum ging es in der Konferenz von Évian genau? Vom 6. bis 15. Juli 1938 trafen sich Vertreter von 32 Staaten im mondänen Badeort Évian-les-Bains am französischen Ufer des Genfer Sees. Anlass des Treffens  war eine von US-Präsident Franklin Delano Roosevelt einberufene Konferenz zur Flüchtlingskrise in Europa. Diese war durch die Vertreibung der Juden aus dem Deutschen Reich und dem gerade „angeschlossenen“ Österreich durch das NS-Regime ausgelöst worden. Es ging um die Rettung von etwa 550.000 Menschen, von rund 350.000 deutschen und 200.000 österreichischen Juden. Die Konferenzteilnehmer bekundeten zwar ihr Mitgefühl mit den Geflüchteten, lehnten jedoch die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge mit unterschiedlichen Begründungen ab. Zudem vermieden sie es, das NS-Regime als Verantwortlichen der Flüchtlingskrise und die Juden als deren Hauptbetroffene zu benennen. Damit wurde die Konferenz von Évian zu einem Symbol dafür, wie die dringend auf Zuflucht angewiesenen verfolgten Juden von der internationalen Staatengemeinschaft weitgehend im Stich gelassen wurden.

Die Konferenz von Évian lenkt den Blick fast zwangsläufig auf die Gegenwart, auf die vielen gegenwärtigen Gipfeltreffen zu den weltweiten Flüchtlingsbewegungen, welche ebenfalls allzu oft in deprimierenden Unverbindlichkeiten enden. Die Historikerin Mirjam Zadoff zog ein ebenso erhellendes wie bedrückendes Fazit: "Der Blick zurück lehrt eines: Wenn wir Flüchtlinge nicht mehr als Menschen  betrachten, sondern nur mehr als Bedrohung, zahlen wir einen hohen Preis und büßen unsere Menschlichkeit ein."

Die Ausstellung wird am 17.01.2019 um 17:00 Uhr im Ratssaal eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung sind alle Bürgerinnen und Bürger herzlichst eingeladen.

Nächste Station der Ausstellung wird übrigens das Dokumentationszentrum Prora auf Rügen sein, wo es sich in der im Auftrag der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ zwischen 1936 und 1939 gebaut errichteten etwa 4,7 km lange Gebäudeanlage befindet. 

Öffnungszeiten der Ausstellung vom 17.1.19 – 31.1.19
Montag-Freitag 9.00 – 12.00 Uhr
Montag-Donnerstag 14.00 – 16.00 Uhr
Sonntag 27.1.2019 11.00-17.00 Uhr

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